Manche Fragen stellt man sich als Muttersprachler kaum, so zum Beispiel die Frage, welche Nomen bzw. Verben die im Deutschen am häufigsten benutzten sind. Wenn man allerdings Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, erscheint diese Frage doch recht interessant zu sein. Deshalb dazu einige Anmerkungen.

Die Wörter einer Sprache lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien kategorisieren: alphabetisch von A bis Z (alle Wörter mit dem Anfangsbuchstaben A, a bis Azzuro) gehören demnach derselben Kategorie an, oder aber nach Wortklassen geordnet (Nomen, Verb, Adjektvi etc.), um hier nur zwei Beispiel zu nennen.

Eine weitere Möglichkeit der Klassifizierung ist die nach der Häufigkeit der Benutzung bzw. des Vorkommens von Wörtern. Für das Deutsche ergibt sich anhand dieses Kriteriums die folgende Liste der 100 häufigsten Wörter (Groß- und Kleinschreibung desselben Wortes werden getrennt gezählt):

der, die, und, in, den, von, zu, das, mit, sich, des, auf, für, ist, im, dem, nicht, ein, Die, eine, als, auch, es, an, werden, aus, er, hat, daß, sie, nach, wird, bei, einer, Der, um, am, sind, noch, wie, einem, über, einen, Das, so, Sie, zum, war, haben, nur, oder, aber, vor, zur, bis, mehr, durch, man, sein, wurde, sei, In, Prozent, hatte, kann, gegen, vom, können, schon, wenn, habe, seine, Mark, ihre, dann, unter, wir, soll, ich, eines, Es, Jahr, zwei, Jahren, diese, dieser, wieder, keine, Uhr, seiner, worden, Und, will, zwischen, Im, immer, Millionen, Ein, was, sagte. Quelle: http://wortschatz.uni-leipzig.de/html/wliste.html

Nun ja, so richtig interessant ist das ja gerade nicht! Zweiter Versuch: Das „Frequency Dictionary of German“ von Jones und Tschirner bietet Listen der Häufigkeit nach Wortklassen getrennt.

Interessant sind zuerst natürlich die Nomen als die größte Wortgruppe. Die Liste der 25 häufigsten Nomen im Deutschen liest sich so:

1. das Jahr, -e

14. die Leute (pl.)

2. das Mal, -e

15. die Arbeit, -en

3. das Beispiel, -e

16. das Prozent, -e

4. die Zeit

17. die Hand, -¨e

5. die Frau, -en

18. die Stadt, -¨e

6. der Mensch, -en

19. der Herr, -en

7. das Kind, -er

20. der/das Teil, -e

8. der Tag, -e

21. das Problem, -e

9. der Mann, -¨er

22. die Welt, -en

10. das Land, -¨er

23. das Recht, -e

11. die Frage, -n

24. das Ende, -n

12. das Haus, -¨er

25. die Million (Mio.), -en

13. der Fall, -¨e

Aufgabe: Schreiben Sie anhand der oben genannten 25 Nomen eine Kurzgeschichte. Jedes Wort sollte mindestens einmal vorkommen: „Das Jahr neigte sich seinem Ende zu. Jedes Mal zu dieser Zeit wurde Schlohm besonders nachdenklich, denn ihm fielen dann besonders viele Beispiele für verpasste Gelegenheiten und versäumte Chancen ein, die ihm von Zeit zu Zeit zum Greifen nahe gekommen , jedoch aus diesem und jenem Grunde dann ungenutzt geblieben waren. …“

In der Liste der 25 häufigsten Verben sind folgende Wörter zu finden:

1. sein (ist), war, ist gewesen

14. sehen (sieht), sah, hat gesehen

2. haben, hatte, hat gehabt

15. lassen (lässt), ließ, hat gelassen

3. werden (wird), wurde, ist geworden

16. stehen, stand, hat gestanden

4. können (kann), konnte, hat gekonnt

17. finden, fand, hat gefunden

5. müssen (muss), musste, hat gemusst

18. bleiben, blieb, ist geblieben

6. sagen, sagte, hat gesagt

19. liegen, lag, hat gelegen

7. machen, machte, hat gemacht

20. heißen, hieß, hat geheißen

8. geben (gibt), gab, hat gegeben

21. denken, dachte, hat gedacht

9. kommen, kam, ist gekommen

22. nehmen (nimmt), nahm, hat genommen

10. sollen (soll), sollte, hat gesollt

23. tun, tat, hat getan

11. wollen (will), wollte, hat gewollt

24. dürfen (darf), durfte, hat gedurft

12. gehen, ging, ist gegangen

25. glauben, glaubte, hat geglaubt

13. wissen (weiß), wusste, hat gewusst

Nachdem wir nun in Kenntnis gesetzt sind von den am häufigsten vorkommenden Wörtern in der größten (die Hälfte des Wortschatzes machen Nomen aus) und der drittgrößten (ein Fünftel davon sind Verben) Wortklasse des Deutschen, ist die Kategorie der Ausdrücke („phrases“) vielleicht noch interessant. Auf den Plätzen 1 bis 25 finden wir da:

1. zum Beispiel (z.B.)

14. weder … noch

2. vor allem

15. im Rahmen

3. gar nicht(s)

16. so was

4. ein bisschen

17. sowohl … als auch

5. das heißt (d.h.)

18. ebenso … wie

6. ein paar

19. am Ende

7. mehr als

20. in der Regel

8. sogenannt (sog.)

21. kennen lernen

9. im Jahr(e)

22. im Moment

10. und so weiter (usw.)

23. entweder … oder

11. nicht nur … sondern auch

24. (k)eine Rolle spielen

12. unter anderem (u.a.)

25. zum Teil

13. erst mal

Aufgabe: Stellen Sie sich vor, Sie sind ein bayrischer Ex-Ministerpräsident und werden von einer Journalistin nach Ihrer Meinung zur derzeitigen Lage der Großen Koalition befragt. Formulieren Sie ein kurzes Statement, in dem Sie jeden Ausdruck wenigstens einmal benutzen. Achtung: unvollständige Sätze sind erlaubt!

Hier eine kleine Anregung dazu: